Dialogwissen, Linearität und Filterblasen

Dialogwissen, Linearität und Filterblasen

Für das Radioblog des Dokublog.de wurde ich gefragt, einen kleinen Beitrag zum Thema: Radio in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zu schreiben. Wolfram Wessels Einleitung will, “eine grundsätzliche Debatte über dieses Thema anstossen und Soziologen, Philosophen, Ökonomen, Medienwissenschaftler und Medienpraktiker einladen, sich daran zu beteiligen.” Wenn in Zukunft sich bald noch mehr Soziolog*innen, Philosoph*innen, Wirtschaftswissenschaftler*innen, Medienwissenschaftler*innen und -praktiker*innen dort äussern, dann ist es mir vielleicht nicht mehr so unangenehm, gefragt worden zu sein. (Immerhin hat mich eine Medienwissenschaftlerin empfohlen, habe ich gehört). Das alles soll keine Koketterie sein: ich habe mich natürlich trotzdem sehr gefreut! Sowohl über die Einladung als auch über die Gelegenheit und das konkrete Thema.

Im Abschluss meiner Dissertation und kurz nach einigen Vorträgen zum Sprechenden Denken (den letzten hier) kommt mir das Thema gerade recht. Und vor allem: es ist höchste Zeit, über eine Wiederentdeckung des Gesprächs als mediales Labor der Gesellschaft nachzudenken. Den professionellen Radiobeiträgen der Qualitätsjournalisten zum Trotz oder vielleicht als eine Art Gegengift, nicht zuletzt auch einer gewissen Professionalitätsüberheblichkeit, könnte man das so vermisste Gespräch wieder praktizieren. Wo, wenn nicht ‘im Radio’ wäre dafür ein ‘Ort’, oder besser: Zeit?

Meine kurzen Überlegungen habe ich zusammengeschrieben und eingesprochen. Sie können auf dem dokublog gelesen und gehört (!) werden.

Beim Schreiben dieses kleinen Textes fiel – via metaphorischem Rotstift von Wolfram Wessel – ein weiterer kleiner Text heraus. Vielleicht etwas schärfer, vielleicht etwas überspitzt. Aber immerhin mit einem Seitenhieb auf Jordan Peterson. Auch diesen Text kann man lesen und hören. Nur so viel: es geht um eine Kritik des Lobs der Linearität des linearen Radios, die Frage, implizit auch darum, ob es das überhaupt je war; inwiefern es ein Mittel gegen die von vielen befürchteten Echokammern und Filterblasen ist, und dass diese vielleicht nur von Journalist*innen bewohnt werden.


Vortrag "Sprechendes Denken"

Auf der #Subscribe10, der grossen deutschsprachigen Podcaster*innenkonferenz zu Gast beim Deutschlandfunk in Köln habe ich einen der beiden Eröffnungsvorträge gehalten zum Thema "Sprechendes Denken".

https://youtu.be/kMits0yN9o0

Was ist es, das das Podcasten zu einem so bedeutsamen Medium unserer Zeit macht, und das besonders im Hinblick auf die Aushandlung und Aneignung von Wissen? Wie vermittelt sich Denken im Sprechen und Hören? Geht es um Fakten, Wahrheit, und das blosse Senden, oder ist Erkenntnis etwas anderes, vor allem eben eine Praxis? Und welche Bedeutung haben unsere Sinne, und welche unser Vermögen zu Sprechen? Inwiefern sind Gespräche eben etwas anderes als Interviews und Features, wie wir sie aus dem linearen Radio gewohnt sind? Und warum sollte uns das im Kontext des Podcastens interessieren?

Ich stelle hier einige wenige Ideen aus meiner Arbeit zum Begriff des "Sprechenden Denkens" vor, die ich im Podlog in Form von 365 Selbstgesprächen entwickelt habe. Der Podcast ist darüber hinaus Hauptteil einer Arbeit, die ich im Dezember 2018 an der Universität der Künste Berlin als Dissertationsarbeit bei Prof. Dr. Stephan Porombka eingereicht habe. Über die weiteren Entwicklungen werde ich auch im Rahmen dieser Website schreiben. An dieser Stelle soll vorerst der Link zur Aufzeichnung genügen.


Linie, Sprechen

Wie der Pinsel oder Stift des Malers sich bewegt, so entwickelt sich das Sprechen.

Dem Gesprochenen hört man den Zusammenhang nicht an, wenn man der Bewegung nicht folgt.

Wie es beim Bild nicht auf die einzelne Linie ankommt, so kommt es beim sprechenden Denken nicht auf das einzelne Wort an. Es ist die Bewegung des Sprechens, die Entfaltung des Gedankens.

Einen Eindruck kann man dafür nur bekommen, wenn man dem Sprechen hörend folgt, sich widerstrebend ziehen lässt; nur wenn das Verklingen der Worte einem das Denken verflüchtigt und darin die nächsten Worte anvertraut, anempfiehlt. Im Verklingen...

 

...entwickelt sich erst der Sinn, fast wie der Geschmack: im Abgang erst das 'volle Aroma'....

Wer das Sprechen mit dem Gesprochenen (und so vielleicht niedergeschriebenen) Wort verwechselt, versteht nichts(, ist taub).

(2018-04-29 | Bern, Zentrum Paul Klee)

 

 

 


Arbeitsplätze 2

... und dann sitzt man draussen am Tisch im Garten, arbeitet, dokumentiert die Arbeit mit dem iPhone: den Arbeitsplatz, das Licht, die Situation, - und wird damit aufgezogen, dass man 'das wohl gleich auf Instagram stellen würde'.Read more


Freie Rede vs. Meinungsfreiheit – Vortrag auf der #subscribe8 2016

Auf der #subscribe8 – der 8. Podcasterkonferenz, die vom 14. bis 16 Oktober in München in den Räumen des Bayerischen Rundfunks stattfand, habe ich einen der Eröffnungsvorträge halten dürfen. Eingereicht hatte ich eigentlich nur eine kurze Skizze zu einem kleinen Impuls zum Thema: Freie Rede vs. Meinungsfreiheit; ich habe mich dann sehr über die Möglichkeit gefreut, einen grösseren Vortrag zu diesem Thema halten zu müssen.

 

 

Die Idee ist in meiner Vorbereitung weiter gewachsen und stellte sich zum Schluss sogar als ein in der Zukunft für mich noch weit bedeutenderes Thema heraus, als ich das am Anfang dachte. Wohin mich das noch führen wird, darüber kann ich momentan nur spekulieren. Besonders aber brachte es jetzt schon grossartige Gespräche und Eindrücke, und die Rückmeldung, dass man nicht ganz alleine ist, mit seinen Überlegungen zur Bedeutung von Freiheit unter Bedingungen des aktuellen Medienwandels.


Bibliothek

Ich stelle meine Bibliothek aus…

 

Auch auf einer neuen Website werde ich nur wiederholen können, was ich schon hier notiert hatte: Irgendwann, wenn ich Zeit und Musse habe, dann möchte ich gerne einen kleinen Text zum Büchersammeln schreiben, der sicher nicht so schön werden kann wie Walter Benjamins “Ich packe meine Bibliothek aus ” ((

Benjamin, Walter. 1994. Ich packe meine Bibliothek aus. In: Denkbilder, 88–95.
)).

Nachdem diese Website vor allem der Dokumentation und Reflexion meiner Arbeit dient, soll mein Besitz an physischen Büchern hier auch seine Beachtung finden. Wozu ich das dokumentiere, weiss ich nicht, wie auch viele anderen Notizen so nicht im Vorfeld ihrer Bedeutung versichert werden können. Ich erlebe aber auch das Sammeln und Katalogisieren physischer Bücher als einen wesentlichen, erfahrbaren und erfahrungsstrukturierenden Arbeitsvorgang.

 

Der Bestand ist nicht bloss ein Stand, repräsentiert nicht nur irgendeine Form von kulturellem Kapital, sondern ist Ausdruck und (fortlaufendes Zwischen-)Ergebnis meiner Arbeit. Aus diesem Verdacht heraus notiere ich den Bestand als offene Liste, alphabetisch nach Autoren sortiert, auch wenn sich die physische Aufstellung der Bücher nach der Regensburger Verbundsklassifikation und meiner eigenen Präferenz der Signaturenvergabe ganz und gar anders gestaltet. Vielleicht wird ZotPress, das Wordpress-Plugin, das ich zur Darstellung der Liste und zur Referenzierung von Literatur auf dieser Website verwende (mehr auch unter –> Technik), einmal auch benutzerdefinierte Felder in der Bibliographie-Ansicht ermöglichen, dann kann ich zumindest die Signaturen und damit einen Hinweis auf die Aufstellungslogik mit angeben.

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